Stellungnahme zur angeblichen „Ablehnung“ eines Transgender-Kindes

20. Juli 2017: Die Schulleitung der Montessori Kinderwerkstätte (MOKIWE) in Brunn am Gebirge gibt folgende Stellungnahme zu den in diversen Print- und Onlinemedien kursierenden Artikeln rund um die angebliche „Ablehnung“ eines Transgender-Kindes und eines Kindes mit Diabetes durch die Direktorin der MOKIWE ab.

1. „ein Transgender-Kind wurde vom Unterricht ausgeschlossen“

Die Eltern des betreffenden Kindes haben sich Anfang Dezember 2016 die MOKIWE-Schule angesehen, Mitte Dezember 2016 darauf erfolgte auch ein Hospitationstag des Kindes in der MOKIWE-Schule. Im Jänner 2017 letztendlich entschieden sich die Eltern, ihr 10-jähriges Kind für das kommende Schuljahr 2017/18 für die 5. Schulstufe in der MOKIWE-Schule anzumelden und unterzeichneten den Schulvertrag mit der MOKIWE.

Kurz vor einem von uns veranstalteten Elternseminar am 31.3.2017 erhielten wir zufällig aus dem Umfeld des Kindes die Information, dass es sich bei dem bei uns angemeldeten Mädchen rein körperlich um einen Buben handelt. Bis zu diesem Zeitpunkt lagen uns von Seite der Eltern keinerlei Informationen vor, dass es sich bei dem Kind um ein Transgender-Kind handelt. Auch in dem von uns dem Vertrag angeschlossenen Stammdatenblatt fanden wir dazu keinen Hinweis. Da wir auch im Rahmen des Elternseminars von den Eltern keine diesbezügliche Information erhalten haben, ersuchten wir die Eltern – ohne Angabe von inhaltlichen Gründen – bei der Verabschiedung vor Verlassen der Schule um einen weiteren Gesprächstermin. Der Termin wurde für den 2.5.2017 mit der Direktorin vereinbart, die sich daraufhin von den Eltern verabschiedete. Beim Verlassen der Schule erwähnten die Eltern gegenüber einem Pädagogen im Vorbeigehen, dass ihre Tochter als Bub geboren wurde.

Im Elterngespräch am 2.5.2017 wollten wir mit den Eltern den Umgang mit der Thematik in der MOKIWE-Schule erörtern. Die Eltern wurden von uns im Rahmen des Gesprächs ersucht, den von ihnen geplanten Umgang mit dem Thema darzulegen. Die Eltern empfanden es nicht für notwendig, die Besonderheit ihres Kindes gegenüber den MOKIWE-Kindern zu thematisieren, sie wollten es im Schulalltag Zitat „darauf ankommen lassen“.

Wir haben uns in der Folge ausgiebig in vielen Gesprächsrunden im Pädagogenteam und unter externer Beratung mit dem Thema beschäftigt.

Für uns stellt die Tatsache, dass wir über mehrere Monate nicht über die Transgenderidentität des Kindes informiert wurden, einen groben Vertrauensbruch dar. Wir wissen, dass die Eltern dazu gesetzlich nicht verpflichtet gewesen sind, aber sie haben uns dadurch die Möglichkeit genommen, im Schulalltag mit dem Thema so umzugehen, wie wir es in unserer Montessori-Einrichtung als den einzig richtigen Weg befunden hätten: nämlich mit absoluter Offenheit und Ehrlichkeit.

Wir können uns der Ansicht, dass die Transgenderidentität eines 10-jährigen Kindes durch Verschweigen zu etwas „nicht Besonderem“ gemacht werden soll, nicht anschließen. Der Schule war an einer professionellen und für alle Kinder in der Schule guten Lösung gelegen. Zu diesem Zweck wäre ein offener Umgang mit dem Thema sowohl den Kindern als auch den Eltern gegenüber von Anfang an notwendig gewesen.

Wir haben daraufhin in einem weiteren Gespräch mit den Eltern des Kindes am 31.5.2017 den Schulvertrag gekündigt und unsere Beweggründe dargelegt.

Wir betonen hiermit ausdrücklich, dass die MOKIWE-Schule den Vertrag mit den Eltern des Kindes ausschließlich deswegen gekündigt hat, weil das Verhalten der Eltern für uns keine Basis für eine langjährige Zusammenarbeit darstellt.

2. Kindergartenvertrag eines an Diabetes erkrankten 4-jährigen Buben wurde 2014 gekündigt

Bei einem 4-jährigen Buben, welcher im MOKIWE-Kinderhaus in Betreuung war, wurde im September 2014 Diabetes diagnostiziert.

In öffentlichen Kindergärten besteht in einem solchen Fall die Möglichkeit, Sonderpädagogen und zusätzliche Stützkräfte ins Haus zu holen, die die erforderlichen medizinischen Maßnahmen setzen können (regelmäßige Blutzuckermessungen, Verabreichung von Insulin, Kontrolle der eingenommenen Mahlzeiten bis hin zu Notfallsmaßnahmen im Falle eines Zuckerschocks).

Leider ist dem MOKIWE-Kinderhaus als Privatkindergarten diese Möglichkeit nicht gegeben, eine speziell ausgebildete zusätzliche Kraft wird nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert. Es war daher für uns weder finanziell möglich, eine der genannten Hilfskräfte aufzunehmen, noch mit bestehenden personellen Ressourcen diese große Verantwortung zu übernehmen. Das MOKIWE-Kinderhaus hat die Kündigung des Buben stets sehr bedauert, konnte jedoch aus den genannten Gründen nicht anders handeln.

3. Kommentar zu den kolportierten Austritten aus der MOKIWE-Schule

In den letzten Tagen wurden auf diversen Print- und Onlinemedien unterschiedliche Zahlen zwischen 10 und 18 aus der MOKIWE-Schule ausgetreten Familien bzw. Schülerinnen und Schülern kolportiert.

Wir möchten an dieser Stelle die tatsächlichen Zahlen und die uns gegenüber geäußerten Begründungen offenlegen: Im abgelaufenen Schuljahr haben 9 Familien mit insgesamt 14 Kindern die MOKIWE-Schule verlassen. 4 Familien mussten die Verträge aus finanziellen Gründen kündigen, 2 Familien aus persönlichen familiären Gründen, 1 Familie aufgrund von Wohnsitzwechsel und 2 Familien kündigten die Schulverträge aufgrund von fehlendem Vertrauen in unsere Schule bzw. in die Montessori-Pädagogik. Wie schon seit Gründung unseres Kinderhauses vor 13 Jahren und unserer Schule vor 5 Jahren üblich, laden wir gerne alle Interessierten, aber auch alle Skeptiker ein, in unserem Kinderhaus und/oder unserer Schule einen Hospitationstermin wahrzunehmen, um sich selbst ein Bild von unserer Einrichtung zu machen. Wir freuen uns über jede Besucherin und jeden Besucher, denen wir unsere Vorstellung von Pädagogik näherbringen können.

Sollten sich aufgrund der von uns veröffentlichten Stellungnahme weitere Fragen ergeben, stehen wir gerne zur Verfügung: office@mokiwe.at

Factsheet

Eltern-Feedback

Das sagen die Eltern der Schulkinder in einem offenen Brief zur MOKIWE Schule.

Rechtliches

Die MOKIWE Schule ist eine mit Bescheid vom 17. Juli 2012 vom Bundesministerium für Bildung gemäß §14 Abs. 2 Lit. b Privatschulgesetz genehmigte Statutenschule und bekam bereits im ersten Jahr das Öffentlichkeitsrecht zugesprochen. Träger der MOKIWE Schule ist der gemeinnützige Verein MOKIWE MontessoriKinderWerkstätte e.V..